
FC 08-Adventsgeschichten: Der verpasste Regionalligaaufstieg
In unserer Adventsgeschichte zur Saison 2017/18 blicken wir auf eine Spielzeit zurück, in der Jubel und Schmerz besonders nah beieinanderlagen. Vizemeisterschaft, Pokalfinale und Aufstiegsspiele sorgten für große Hoffnungen – und für bittere Enttäuschungen.
Die Saison 2017/18 hatte es für den FC 08 in sich. Selten lagen während einer Spielzeit Jubel und Schmerz für die Fans des Traditionsvereins so nahe beieinander wie im Verlauf dieser Runde. Die Nullachter waren nach nur einem Jahr Abstinenz umgehend in die Oberliga zurückgekehrt. Man zeigte sich optimistisch, dieses Mal von den Abstiegsrängen verschont zu bleiben.
Im Kader von Coach Jago Maric hatte sich im Vergleich zur Vorsaison nicht allzu viel geändert. Größter Verlust war Keeper Daniel Miletic, der seine Karriere beendet hatte. Als Hoffnungsträger galten zwei spanische Neuzugänge. Der 28-jährige Pablo Gil (Internacional de Madrid), ein ehemaliger U-19-Auswahlspieler, wurde für die Defensive geholt. Der 24-jährige Cristian Gilés (Peña Sport F.C.) galt als torgefährlicher Stürmer. Zum Start der Vorbereitung trat allerdings der Sportliche Leiter Martin Braun von seinem Amt zurück. Der 48-jährige Ex-Profi hatte seine Ausbildung zum Berufstrainer in der Schweiz erfolgreich abgeschlossen und strebte in diesem Bereich eine neue Herausforderung an.
Furioser Saisonstart und starke Vorrunde
Erfolgscoach Jago Maric zeigte sich nach dem souveränen Titelgewinn in der Verbandsliga optimistisch – und sollte recht behalten. Denn sein Team versetzte vom Saisonstart weg mit einem 1:0-Heimsieg über den hoch gehandelten 1. CfR Pforzheim die Fans in Entzücken. Nach den ersten zehn Spielen lagen die Nullachter hinter dem heißen Titelkandidaten Bahlinger SC und vor Regionalliga-Absteiger FC Nöttingen auf dem zweiten Platz.
Die beiden spanischen Neuzugänge Pablo Gil und Cristian Gilés erwiesen sich als absolute Verstärkungen. Die Nullachter traten eingespielt und als disziplinierte Einheit auf. Einen Dämpfer gab es allerdings beim Derby gegen die TSG Balingen, das 1500 Zuschauer in den Friedengrund lockte. Sie sahen am Ende einen 2:1-Erfolg der Gäste. Doch davon ließen sich die Nullachter nicht aus der Bahn werfen – und das, obwohl Pablo Gil und Bene Haibt mit schweren Knieverletzungen in der Vorrunde länger fehlten.
Bis zur Winterpause verteidigte der FC 08 Platz zwei und hatte im Pokal als einziger Oberligist das Halbfinale erreicht. Neben Nedzad Plavci, der mit seinen 14 Treffern Platz zwei in der Torjägerliste der gesamten Oberliga belegte, avancierte Neuzugang Cristian Gilés mit neun Treffern ebenfalls zu einem torgefährlichen Angreifer. Zwischen den Pfosten erwies sich der 45-jährige Christian Mendes als echter Torwartklassiker und kassierte die wenigsten Gegentreffer aller Teams.
Turbulenzen zum Jahresbeginn
Der Start ins neue Jahr wurde von Turbulenzen abseits des Spielfeldes begleitet. 08-Torjäger Nedzad Plavci unterschrieb zunächst für die neue Saison einen Dreijahresvertrag beim 1. FC Rielasingen-Arlen und anschließend auch einen besser dotierten Kontrakt beim FC 08. Das zog eine zweimonatige Sperre ab Anfang April für den Stürmer nach sich.
Hinzu kam der völlig überraschende Rücktritt des Sportlichen Leiters Alexander Thumer, der erst Ende Dezember des vorangegangenen Jahres das Amt bei seinem früheren Verein angetreten hatte. Mit Mario Ketterer übernahm an seiner Stelle ein langjähriger 08-Spieler die sportliche Leitung.
Titelkampf, Pokalerfolg und Vizemeisterschaft
Beim Kampf um die Punkte lief es nach einer durch winterliche Bedingungen nicht ganz optimalen Vorbereitung zunächst etwas stotternd an. Doch immer mehr kristallisierte sich heraus, dass der Kampf um den Titel und den direkten Aufstieg in die Regionalliga zu einem Duell mit der TSG Balingen werden würde.
Als es Ende März in Balingen zum Spitzenspiel kam, hatte die TSG bereits sechs Zähler Vorsprung. Vor 2200 Zuschauern wurde die Vorentscheidung um den Titel jedoch vertagt. Die Nullachter legten durch Cristian Gilés und Nedzad Plavci zweimal vor, Balingen schlug jeweils zurück – am Ende stand ein 2:2.
Wenige Tage später machte die Maric-Elf mit einem 6:1 gegen Kuppenheim den Einzug ins SBFV-Pokalfinale perfekt. Im Punktekampf warf eine überraschende 0:2-Niederlage in Göppingen das Team zurück. Hinzu kam ein durch Spielausfälle bedingtes Hammerprogramm mit vier englischen Wochen in Folge.
Doch als der FC 08 am vorletzten Spieltag die vorgezogene Partie bei der Neckarsulmer Sportunion mit 1:0 gewann und die SGV Freiberg gleichzeitig patzte, konnte die vorzeitige Vizemeisterschaft hinter der TSG Balingen und die Teilnahme an der Aufstiegsrunde zur Regionalliga Südwest bejubelt werden. Erstmals seit vielen Jahren hatte der FC 08 wieder eine realistische Chance auf den Aufstieg in die Regionalliga.
Pokalfinale gegen Linx – ein schwerer Rückschlag
Bereits zwei Tage später stand das Pokalfinale gegen den Verbandsligameister SV Linx auf dem Programm. Die Verantwortlichen und die etwa 900 mitgereisten 08-Fans unter den insgesamt 2800 Zuschauern zeigten sich vor dem Anpfiff im Lahrer Stadion Dammenmühle optimistisch.
Doch dann kam alles ganz anders. Zwar erarbeiteten sich die favorisierten Nullachter im ersten Durchgang eine leichte optische Überlegenheit, wirklich dominant trat der Oberligist bei Temperaturen um die 30 Grad jedoch nicht auf. Die vorangegangenen intensiven Wochen hatten der Maric-Elf offenbar kräftemäßig zugesetzt.
Im zweiten Durchgang schien zunächst alles nach Plan zu laufen. Nach einer Vorlage von Bene Haibt erzielte Damian Kaminski in der 49. Minute aus 17 Metern das 1:0. Nur eine Minute später traf der Torschütze den Ball aus spitzem Winkel nicht richtig, sonst wäre bereits eine Vorentscheidung gefallen.
Stattdessen hatten die Nullachter Pech, als Daniel Niedermann in der 85. Minute nach einem Kopfball von Adrian Vollmer den Ball unhaltbar zum 1:1 ins eigene Tor köpfte. Der Tiefschlag saß – und es kam noch schlimmer. Nur drei Minuten später stand Vollmer erneut goldrichtig und erzielte den 2:1-Siegtreffer für Linx. Die Enttäuschung bei den Nullachtern war riesengroß.
Aufstiegsspiele: Traum und Absturz
Beim anschließenden letzten Saisonspiel gegen die TSG Weinheim präsentierten sich die Maric-Schützlinge noch einmal in gewohnter Manier und gewannen souverän mit 4:1. Gleichzeitig durfte sich der FC 08 über das Prädikat beste Heimmannschaft der Saison freuen.
Als Anfang Juni das erste Aufstiegsspiel zur Regionalliga auf dem Programm stand, lieferte der FC 08 eine bärenstarke Vorstellung ab und überrannte Bayern Alzenau vor 2000 Zuschauern im Friedengrund förmlich. Bei einer absoluten Galavorstellung eröffnete Bene Haibt mit zwei Treffern im ersten Durchgang die Torlawine. Nach der Pause legten Cristian Gilés mit zwei Treffern, Tevfik Ceylan und Pablo Gil nach, bei einem Gegentor durch Danilo Milosevic. Am Ende stand ein rekordverdächtiger 8:1-Erfolg.
Nun reiste das 08-Team als Favorit zur alles entscheidenden Begegnung drei Tage später, am Mittwoch, 6. Juni, zum Oberligazweiten aus Rheinland-Pfalz/Saar, FK 03 Pirmasens. Da Pirmasens im ersten Aufstiegsspiel in Alzenau nicht über ein 0:0 hinausgekommen war, reichte den Nullachtern ein Unentschieden zum Aufstieg. Rund 200 Fans machten sich auf den Weg in den Sportpark Husterhöhe.
Vor 2800 Zuschauern erlebte das Publikum im ersten Durchgang einen dominanten FC 08, der mit viel Ballbesitz und gewonnenen Zweikämpfen die Partie bestimmte. Fast hätte es auch zum wichtigen Führungstreffer gereicht, doch in der 19. Minute wehrte FKP-Torwart Daniel Kläs einen Abschluss von Cristian Gilés glänzend ab. Ansonsten blieben klare Torchancen aus, während 08-Keeper Christian Mendes nahezu beschäftigungslos blieb.
Das änderte sich nach der Pause. Gleich nach Wiederanpfiff musste Mendes gegen FKP-Torjäger Dennis Krob retten, ehe er in der 63. Minute beim Flachschuss von Christian Grimm chancenlos war. Nun mussten die Nullachter ausgleichen, um den Aufstieg noch perfekt zu machen. Doch stattdessen erhöhte Dennis Krob in der 75. Minute nach einem Konter auf 2:0.
Coach Jago Maric reagierte mit der Einwechslung von Damian Kaminski für Gianluca Serpa sowie von Nedzad Plavci für Tevfik Ceylan. Doch bis auf zwei Möglichkeiten von Haibt und Kaminski sprang nichts mehr heraus. Der Aufstiegstraum war geplatzt.
Die 08-Akteure schlichen mit hängenden Köpfen an den jubelnden Spielern von FK Pirmasens und deren Anhängern vorbei in die Kabinen. Die schwarz-weißen Fans traten tief enttäuscht und desillusioniert die Heimreise in den Schwarzwald an. Zwei bittere Niederlagen in entscheidenden Spielen innerhalb von nur zwei Wochen taten der 08-Seele nach einer ansonsten spektakulären Saison sehr weh – und wirkten lange nach.

Benedikt Haibt bejubelt in Neckarsulm den entscheidenden Treffer, der zur Vizemeisterschaft führte.

Im Pokalfinale musste sich der FC 08, hier Stjepan Geng, gegen den SV Linx geschlagen geben.

2000 Zuschauer pilgerten in den Friedengrund, um das erste Aufstiegsspiel gegen Bayern Alzenau live mitverfolgen zu können.

Cristian Gilés steuerte zum grandiosen 8:1-Sieg gegen Alzenau zwei Tore bei.

Groß war der Jubel im Villinger Friedengrund, als das erste Aufstiegsspiel gewonnen werden konnte.

Beim Spiel in Pirmasens zeigte der FC 08 Villingen, hier mit Pabli Gil, zunächst ein überzeugende Leistung – allerdings ohne Tore zu schießen.

Kurz vor dem Aufstieg gescheitert: Dragan Ovuka (links) und Nedzad Plavci können es nicht fassen.

Der Aufstiegstraum war geplatzt und FC 08-Coach Jago Maric stehen die Tränen in den Augen.