
FC 08-Adventsgeschichten: Pokalbetrug im Jubiläumsjahr
In der dritten Adventsgeschichte blicken wir auf die Schicksalssaison 2007/2008 zurück. Große Hoffnungen, sportliche Brüche und ein skandalträchtiges Pokalfinale prägten ein Jahr, das den FC 08 Villingen im Jubiläumsjahr besonders schmerzhaft forderte.
Für den FC 08 war die Spielzeit 2007/2008 eine echte Schicksalssaison. Nach dem glänzenden vierten Platz in der Oberligarunde 2006/2007 und dem Pokalsieg gegen den SC Pfullendorf ging es für das Team von Trainer Kristijan Djordjevic um die Qualifikation für die neu geschaffene, dreigleisige Regionalliga Südwest.
Dazu verstärkte sich der Verein gezielt mit höherklassig erfahrenen Spielern wie Mario Klotz und Gaetano Intemperante (SSV Ulm), Mario Ketterer und Giuliano Saggiomo (SV Sandhausen) sowie Suad Rahmanovic (SV Wehen).
Vor dem Ligastart stand zunächst das DFB-Pokalspiel gegen den SC Freiburg an. Vor fast 10.000 Zuschauern im Friedengrund zeigte man jedoch zu viel Respekt und unterlag mit 1:3.
Traumstart – und schwindender Schwung
In die entscheidende Oberligasaison starteten die Nullachter furios mit fünf Siegen in Folge. Doch anschließend begann der Motor zu stottern. Gegen direkte Konkurrenten wie Waldhof Mannheim, den SSV Ulm und den 1. FC Heidenheim setzte es Niederlagen, spielerische Überlegenheit wurde zu selten in Punkte umgemünzt.
Im Oktober trat der erste Vorsitzende Peter Kreth aus persönlichen Gründen zurück. Dennoch betrug der Rückstand auf die Top vier nur drei Punkte – die Regionalliga blieb in Reichweite. Der Start ins Restprogramm verlief jedoch holprig, ein 2:2 in Kirchheim passte ins Bild.
Eklat gegen Hoffenheim II
Es folgten zwei Siege, ehe das Heimspiel gegen Hoffenheim II zur bösen Überraschung wurde. Nicht nur die 1:2-Niederlage, sondern vor allem die Leistung von Schiedsrichter Dominik Schaal sorgte für Aufsehen. Sechs Gelbe, zwei Gelb-Rote und zwei Rote Karten gegen den FC 08 standen lediglich fünf Verwarnungen für die Gäste gegenüber.
Nach dem Abpfiff kam es zu einer folgenschweren Verwechslung: Schaal hielt den verletzten und ausgewechselten Mario Ketterer fälschlich für einen Fan, der ihn verbal bedrängt hatte. Erst Wochen später wurde Ketterer vor der WFV-Spruchkammer rehabilitiert.
Unruhe und Trainer-Rücktritt
Sportlich blieb der FC 08 in Schlagdistanz. In der Rückrunde kam es zum Heimspiel gegen den Tabellenvierten 1. FC Heidenheim, das wegen der Rasensanierung auf dem DJK-Platz stattfand. Vor 1500 Zuschauern reichte es nur zu einem enttäuschenden 1:1. Hinter den Kulissen rumorte es, ein ausgefallenes Training heizte die Gerüchteküche an.
Vor dem Spiel gegen Walldorf erklärte Djordjevic der Mannschaft seinen Rücktritt zum Saisonende. Nach dem 2:1-Sieg verabschiedete er sich emotional von jedem Spieler und verließ den Verein abrupt. Zurück blieb eine überraschte Vorstandschaft. Die Assistenztrainer Peter Grütering und Rosario Vetere übernahmen mit Unterstützung von Sportdirektor Uwe Schneider. Zwei weitere Siege reichten jedoch nicht mehr.
Dramatik bis zur letzten Sekunde
Vor dem letzten Spiel beim bereits feststehenden Aufsteiger SSV Ulm bestanden nur noch theoretische Aufstiegschancen. Die Partie wurde zum Spiegelbild der gesamten Saison: Piero Saccone brachte den FC 08 früh in Führung, doch zur Pause lag man 1:2 zurück. Jago Maric glich aus – ehe Ulm in letzter Sekunde zum 3:2 konterte.
Damit blieb als letzte Chance, die Saison zu retten, das Südbadische Pokalfinale gegen den SC Pfullendorf. Auch finanziell stand viel auf dem Spiel, rund 150.000 Euro aus der ersten DFB-Pokalrunde wären dringend benötigt worden.
Ein Pokalfinale, das Geschichte schrieb
Die Nullachter bereiteten sich mit einem Kurztrainingslager vor, A-Junioren-Trainer Reiner Scheu half taktisch aus. Im Radolfzeller Mettnaustadion lieferten sie vor fast 2700 Zuschauern – darunter auch Djordjevic – eine starke Leistung ab. Nach vergebenen Chancen traf Mario Klotz zum 1:0, Adem Sari erhöhte kurz darauf auf 2:0.
Doch Pfullendorf kam zurück. Nach dem 2:2 ging es in die Verlängerung, in der Maric per Freistoß das 3:2 erzielte. Die Schlüsselszene folgte wenig später: Klotz wurde im Strafraum vom Torhüter umgerissen, der Vorteil gepfiffen, Saris Treffer zum vermeintlichen 4:2 jedoch nach Rücksprache mit dem Linienrichter aberkannt – völlig unverständlich.
Drei Minuten vor Schluss glich Pfullendorf erneut aus. Im Elfmeterschießen parierte Keeper Hermanutz zwei Versuche der Nullachter, während die Linzgauer den Pokal gewannen.
Zwei Enttäuschungen im Jubiläumsjahr
Zurück blieben Frust, Tränen und das Gefühl eines echten Pokalbetrugs. Ausgerechnet im Jahr des 100-jährigen Vereinsbestehens musste der FC 08 gleich zwei schwere Enttäuschungen verkraften. Dass es nach dem Finale zu keinen Zwischenfällen kam, war vor allem der Besonnenheit der mitgereisten 08-Fans zu verdanken.
Auch der Südbadische Fußballverband zog Konsequenzen: Nie wieder wurde ein so junges und unerfahrenes Schiedsrichtergespann für ein Pokalfinale angesetzt.

Beide Teams präsentieren sich vor dem Anpfiff ihren Fans. Dazwischen das später noch höchst umstrittene Schiri-Gespann mit Referee Dominik Waldkirch.

Beim FC 08 übernahmen Rosario Vetere, Peter Grütering und Sportdirektor Uwe Schneider (von links) das Coaching beim Pokalfinale. Der für die neue Saison als Trainer verpflichtete Reine Scheu hatte das Team taktisch bestens eingestellt.

08-Akteur Mario Klotz (am Ball) erzielte in Radolfzell das 1:0.

Als Zuschauer verfolgte der zurückgetretene Kristijan Djordjevic (Dritter von links) die Partie im Radolfzeller Mettnaustadion.

Fast erdrückt von den Fans wurde Adem Sari bei seinem Treffer zum 2:0.

Heiße Duelle lieferten sich auch Markus Knackmuß, der später zum FC 08 wechselte, und Mario Ketterer. Hinten läuft Piero Saccone in Position.

Auf dem Spielfeld gab es heftige Diskussionen mit Schiri Dominik Waldkirch um das nicht gegebene 4:2.